Jim Garrison

Verschwörungstheoretisch richtig.

Illustration & Text: Dominik Brülisauer

Die Welt stand still, als der US-Präsident der Herzen John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas auf offener Strasse von Gewehrschüssen getroffen wurde und kurz darauf im Parkland Memorial Hospital verstorben ist. Noch am selben Tag wurde der verdächtige Lee Harvey Oswald verhaftet. Dieser wurde zwei Tage später in der Tiefgarage eines Polizeihauptquartiers von einem Nachtclubbesitzer namens Jack Ruby erschossen. Der Fall hätte somit abgeschlossen sein können. Aber wie du siehst, ist dieser Plot dünner als jede Tatort-Story, mit der das Fernsehpublikum jeweils am Sonntagabend belästig wird. Und es kann doch nicht sein, dass die Realität banaler ist als die Fiktion.

1966 kam dann zum Glück der grosse Auftritt von Jim Garrison, dem damaligen Bezirksstaatsanwalt von New Orleans. Du kennst ihn aus dem Film «JFK» von Oliver Stone mit Kevin Costner in der Hauptrolle. Den offiziellen Warren-Report, der Lee Harvey Oswald als Einzeltäter mit Hang zum Marxismus darstellte, empfand Garrison als so unglaubwürdig wie die Tatsache, dass Erdbeeren in der Botanik gar nicht zu den Beeren gehören sollen, sondern zu den Rosengewächsen.

Garrison war davon überzeugt, dass Kennedy und Oswald einer Verschwörung zum Opfer gefallen waren. Kurz zusammengefasst behauptete er, dass Lee Harvey Oswald alles andere als ein Scharfschütze gewesen sei – im besten Fall ein Süsschütze. Wäre Oswald der Schweizer Armee beigetreten, hätte man ihm aus Sicherheitsgründen kein Sturmgewehr ausgehändigt. Und das obwohl bei uns jeder Epileptiker, Suizidkandidat, Neonazi, Alkoholiker und betrogene Ehemann eine Waffe in die Hand gedrückt bekommt. Mit anderen Worten: Oswald hätte niemals mehrere Treffer auf ein sich bewegendes Ziel landen können. Am Attentat mussten mehrere Schützen beteiligt gewesen sein, die aus verschiedenen Positionen auf Kennedy gefeuert hatten. Organisiert worden war der ganze Event von Kreisen der Regierung und der CIA, weil sie mit Kennedys Politik nicht einverstanden waren. Garrison führte eine ganze Reihe einleuchtender Argumente auf, um seine Theorien zu zementieren. Leider fehlten die Beweise und es kam zu keinen nennenswerten Verurteilungen.

Ich habe als Jugendlicher Garrisons Buch «Wer erschoss John F. Kennedy. Auf den Spuren der Mörder von Dallas» mit grossem Interesse gelesen. Es hat mich fasziniert, dass es zu einer offiziellen Wahrheit noch eine andere Wahrheit geben konnte. Eine fantasievollere, faszinierendere Wahrheit. Eine Wahrheit, die erklären konnte, warum ein demokratischer Präsident in der schwerbewaffneten republikanischen Hölle Texas im offenen Verdeck am helllichten Tag im Schritttempo durch die Menge fuhr, obwohl das ungefähr so vernünftig war, wie wenn Irina Beller heute bei der GV der militanten Tierschützer im Pelzmantel einen Vortrag über die Vorteile der Massenkäfighaltung von Ozeloten halten würde.

Nicht nur ich war plötzlich der Überzeugung, dass beim Kennedy-Attentat etwas nicht stimmen konnte. Plötzlich kamen von allen Seiten weitere Theorien dazu. Kennedy sei an besagtem Tag gar nicht im Auto gewesen, sondern ein lebensmüder Doppelgänger. Der richtige Kennedy hatte ganz einfach keinen Bock mehr auf das Präsidentenamt. Heute spielt er mit Adolf Hitler und Elvis Presley irgendwo im Taka-Tuka-Land Golf und lacht mit ihnen über die dämliche Weltöffentlichkeit. Das ergab alles Sinn. Irgendwann glaubte ich an gar nichts mehr und witterte überall Verschwörungen, Intrigen und dunkle Machenschaften. Die Illuminaten, die Weltbank, die Tabakkonzerne, die Ölindustrie, die Waffenlobby, die Fleischproduzenten und vor allem die Lehrerversammlung Pontresina, sie alle steckten zusammen unter einer Decke und bestimmten, in welche Richtung sich die Welt drehen soll. Irgendwann glaubte ich die Muster zu erkennen, mehr zu wissen als meine Freunde und alle anderen Mainstreammedien-Konsumenten, die in ihrer Matrix vor sich hinverblödeten und zu faul waren, kritische Fragen zu stellen.

Es war doch offensichtlich, dass das Sonnencreme-Kartell das Ozonloch gegraben, die Abgaskatalysator-Mafia das Waldsterben inszeniert, die Post-it-Lobby Alzheimer entwickelt, die Zahnarztinteressensgemeinschaft den Eishockeysport gross gemacht, der Taschentuch-Think-Tank zusammen mit Take That den Liebeskummer entworfen, das Sofa-Konglomerat die Entwicklung von Videogames gefördert und die Pharma-Multis den Presslufthammer, den Laubbläser und die Stimme von Heidi Klum erfunden hatten, um den Leuten mehr Kopfwehtabletten zu verkaufen. Die potentesten Verschwörer waren selbstverständlich die Amerikaner zusammen mit den Zionisten. Hier ein kleiner Überblick über die jüngere Weltgeschichte und wie sie von diesem Duo Infernale gesteuert wurde.

1947 ist in Roswell (New Mexico) eine fliegende Untertasse abgestürzt. Die Ausserirdischen waren allesamt Juden vom Planeten Esra. Die überlebenden Juden erklärten den Amerikanern, dass sie auf Esra verfolgt wurden und flüchten mussten. Es würden noch viele weitere folgen. 1948 gründeten die Ausserirdischen und die Amerikaner zusammen Israel. Dort in der Wüste könnten die nachziehenden Juden unbemerkt landen, leben und gute Beziehungen mit Amerika pflegen. Die Amis wiederum konnten mit ihrem Satellitenstaat im Nahen Osten Präsenz markieren und die umliegenden Ölquellen ausbeuten. Um den Palästinensern und der Weltöffentlichkeit zu erklären, woher all diese Juden kamen, haben sie die Lüge über die Konzentrationslager in Nazi-Deutschland erfunden. 1968 drehte einer der in Roswell gelandeten Juden namens Stanley Kubrick den Weltraumfilm «2001. A Space Odyssey». Er beschrieb zum Teil die Odyssee der Juden durch den ganzen Weltraum. Die NASA stellte Kubrick zu diesem Zweck eine Weltraumkamera zur Verfügung. Die Zahl 2001 verwies bereits auf die Anschläge auf das World Trade Center. 1969 revanchierte sich Stanley Kubrick bei der NASA und inszenierte für sie in einem Studio in Los Angeles die Mondlandung. Als Tierfreund wollte Präsident Nixon den Russen eins auswischen, weil sie ein paar Jahre zuvor die arme Hündin Laika ungefragt ins All geschossen hatten.

1972 spielte die Band Queen ein Konzert in Tel Aviv. Sänger Freddie Mercury füllte den Konzertveranstalter Ariel Plappermaul ab, weil er mit ihm schlafen wollte. Der betrunkene Plappermaul erklärte Mercury ganz anständig, dass Juden und Menschen nicht zusammen kopulieren können. Man brauche dazu einen bestimmten Genitalien-Adapter, aber der befinde sich noch in der Entwicklungsphase. Juden seien absichtlich so bleich und trügen abturnende Schläfenlocken, damit kein Mensch auf die Idee kommen würde, sich mit ihnen zu paaren. Freddie Mercury war geschockt. Er traute sich nicht, sein Geheimnis jemandem anzuvertrauen. Aber er verarbeitete sein Wissen in seinem Song über Flash Gordon, einem Helden, der den Planeten Erde doch noch retten konnte. Die Amerikaner suchten nach einem Weg, Freddie Mercury loszuwerden, bevor er weniger codiert zu plaudern beginnen würde. In einem Geheimlabor im Death Valley entwickelten sie AIDS. Sie wussten, dass sich der homosexuelle Mercury früher oder später damit anstecken würde. Leider sollten sie Recht bekommen. 1991 ist Mercury infolge seiner Krankheit gestorben und nahm das Geheimnis mit ins Grab.

Wie du siehst, war damals alles noch ein bisschen einfacher. Wenn man wollte, konnte man die Wahrheit erkennen. Heute ist alles viel komplizierter. Seit das Internet in Betrieb ist, kann jeder seine eigenen unkreativen Verschwörungstheorien anonym eins zu eins ungefiltert ins Netz stellen. Irgendein Idiot glaubt ihm immer. Jim Garrison ist vor die Weltöffentlichkeit gestanden. Dafür zolle ich ihm heute noch Respekt.

11_Meine_Helden_Jim_Garrison_fertig

4 Gedanken zu “Jim Garrison

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