Herzlich willkommen

Die Schweiz ist das beste Land der Welt.

Illustration & Text: Dominik Brülisauer

Geografisch liegt die Schweiz im Herzen Europas. Metaphorisch ist die Schweiz aber das Herz der ganzen Welt. Es besteht die Möglichkeit, dass meine Meinung ein wenig dadurch gefärbt ist, dass ich in der Schweiz geboren, aufgewachsen, aufgeklärt, sozialisiert und indoktriniert worden bin. Oder dass ich mich selten im Ausland aufhalte, mich grundsätzlich am liebsten nur mit anderen Schweizern unterhalte oder ich Abonnent der Weltwoche bin. Aber das spielt für mich keine Rolle. Schliesslich erhebe ich keinen Anspruch auf Objektivität. Ich bin ganz einfach in die Schweiz verliebt. Und zwar nicht nur ein bisschen, nein, ich bin ihr mit Haut und Brusthaaren verfallen. Ich verehre ihre von Gletschern geformten Rundungen, wie sie früh am Morgen aussieht, wie sie vor, während und nach dem Regen duftet, wie ich in ihrem Pulverschnee snowboarden, wie ich ihre Berggipfel besteigen und tief, ja, ganz tief in ihre Seen eintauchen kann. Sogar ihren eifersüchtig fragenden Blick, mit dem sie mich nach meinen seltenen Ferien am Flughafen Zürich in Empfang nimmt, sogar diesen Blick habe ich gelernt zu lieben. Mit dem gesenkten Kopf des Ertappten flüstere ich ihr beschwörend zu: «Nein, meine kleine Helvetia. Ich werde nicht auswandern. Du hast mich wieder. Voll und ganz, für immer. Versprochen». Dann zücke ich voller stolz meinem Roten Schweizer Reisepass, sorge dafür, dass alle anderen anstehenden Einreisenden das mitkriegen, und lasse ihn von einem freundlichen Beamten in dunkelblauer Uniform mit geübtem Auge inspizieren. Er bestätigt mir mit einem Lächeln, dass wie erwartet alles in Ordnung ist, und gibt mir von offizieller Seite zu verstehen, dass es schön sei, mich gesund und munter zurückzuhaben. Dann vesorge ich mein rotes Wertpapier, das weltweit begehrter ist als Aktien von Lockheed Martin während Kriegszeiten, also immer, in meiner wasserdichten, feuerfesten und schusssicheren Reisepass-Hülle.

Der Schweizer Reisepass ist der Dietrich unter den Reisepässen – er öffnet einem die Türen zu jedem erdenklichen Land. Man kommt mit ihm nach Deutschland, England, Russland, Niemandsland, Zauberland, Wunderland, Agrarland, Nimmerland, Erzeugerland, Morgenland, Disneyland, Märchenland, ins Schlaraffenland, Nimmerland und man kommt mit ihm auch wieder zurück ins Schlaraffenland respektive Vaterland. Der Schweizer Reisepass hat so einen guten Ruf, man kommt mit ihm auch sonst überall rein.

Die zu Indien gehörende North Sentinel Island ist dafür bekannt, dass die Einheimischen sämtliche eindringenden Missionare oder Touristen mit Pfeil und Bogen über den Haufen knallen – ob vor Ort eine Partei namens «Alternative für North Sentinel Island» an der Macht ist, weiss man nicht so genau. Es kommen einfach zu wenige Leute lebend von der Insel wieder weg, um Genaueres berichten zu können. Ich bin mir aber sicher, mit einem Schweizer Pass würde man von den Sentinelesen herzlich willkommen geheissen werden. Mit einem Schweizer Pass kommt man auch in das Vatikanische Geheimarchiv, in die Area 51, in die Original Höhle von Lascaux, ins Pentagon oder, wenn man noch ein wenig Glück hat, sogar nach Australien – und das will etwas heissen.

Wenn ich irgendwo auf der Welt in ein Hotel einchecke, freue ich mich immer auf den Moment, wenn ich meinen Pass auf die Rezeptionstheke legen darf und die Angestellten reagieren, als hätte ich gerade einen Nobelpreis oder einen Oscar aus meiner Tasche gezückt. Ja, ein geiles Gefühl. Der Schweizer Pass ist im Ausland ein Versprechen. Als Schweizer zahlt man pünktlich, fällt nicht negativ auf, beschwert sich nicht, wenn das Essen nicht gut ist, gibt trotzdem Trinkgeld, selbst wenn man die Putzfrau und den Liftboy in seinem eigenen Hotelbett erwischt hat. So sind wir Schweizer.

Ab und zu kommt mir der Schweizer Pass vor wie eine schöne Freundin – er ist etwas, das ein bisschen etwas kostet, aber das man dafür gerne überall rumzeigt. Aber im Gegensatz zu der schönen Freundin braucht er wenig Platz, er bleibt schön ruhig, wenn man ihn mal verlegt hat, und er ist nicht übertragbar.

Die Schweiz ist mein zuhause. Wo sonst kann ich mich in Wäldern verlieren und mich kurz darauf in einem urbanen Trendlokal wiederfinden. Hier ruft nicht nur der Berg, sondern auch die Wiese, die Palme, der Gletscher, der See, das Dorf und die Stadt. In der Schweiz hat alles seinen Reiz. Und die Schweiz ist das wohl sauberste Land der Welt. Gäste sollten an der Grenze ihre Schuhe ausziehen und in ein paar gemütliche Pantoffeln schlüpfen, bevor sie in unser Land treten. Und dass man bei uns zuerst duscht, bevor man in einem öffentlichen Gewässer wie einem Fluss oder See baden geht, das versteht sich wohl von selbst.
Ja, die Helvetia ist eine herausgeputzte attraktive junge Dame – und sie hat hohe Ansprüche. Sie gehört keinem Harem an. Sie muss sich nicht wie andere europäische Länder zur Belustigung eines Zuhälters aus Brüssel am Pool räkeln oder nach der Pfeife eines Königs tanzen. Die Schweiz ist die Natalie Portman unter den Nationen: talentiert, sexy, selbstständig, fordernd, fleissig, selbstbewusst, begehrt und mehrsprachig. Deutschland ist ja eher die Angelina Jolie – ein Kontrollfreak mit dicken Lippen. Frankreich wiederum hat Ähnlichkeiten mit Paris Hilton. Bei beiden weiss man nicht so genau, was eigentlich ihre Rollen sind und niemand nimmt sie so richtig ernst. Aber weil ihre Vorfahren eine gewisse Bedeutung hatten, dürfen sie sich heute noch überall aufdrängen und zu allem ihren «Moutarde» dazugeben. Ja, Frankreich ist zu einem It-Land verkommen. Und Italien? Italien ist die klassische Lindsey Lohan – chaotisch, laut und ohne Vormund kaum lebensfähig.

Zurück zur Schweiz. Von diesem kleinen Alpenland aus haben Menschen, Ideen und Erfindungen dem ganzen Planeten immer wieder positive Impulse verliehen. Der Auswanderer Johann August Sutter (1803 – 1880) wurde zum Kaiser von Kalifornien und der Waadtländer Charles Gleyre (1806 – 1874) hat Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir Malunterricht gegeben. In Paris machte das Gerücht die Runde, dass Monet und Renoir ohne Schweizer Hilfe niemals zu bekannten Impressionisten geworden wären, sondern sie bis zu ihrem Tod ausschliesslich nach Zahlen gemalt hätten.

Der Solothurner Rudolf Steiner (1861 – 1925) hat mehr oder weniger im Alleingang die Esoterik, die Anthroposophie und das Baumumarmen erfunden. Dank ihm lernen Kinder heute in den Rudolf-Steiner-Schulen wie man Konflikte wegmeditieren, Rechenresultate vortanzen und Fremdsprachen erfühlen kann.

Der Winterthurer Hans Gamper (1877 – 1930) wiederum hat mit dem FC Barcelona einen der erfolgreichsten Sportvereine der Welt gegründet. Lionel Messi, Neymar oder Andrés Iniesta betonen immer wieder, dass es bei ihnen talentmässig leider nicht für einen Schweizer Verein wie den FC Thun oder den FC St. Gallen gereicht hat, aber sie sehr stolz darauf sind, immerhin bei einem Club mit Schweizer Wurzeln spielen zu dürfen. Das ist doch herzig, oder?

Louis Chevrolet (1878 – 1941) aus La Chaux-de-Fonds hat mit Chevrolet die wohl bekannteste amerikanische Automobilfabrik gegründet. Wer weiss, vielleicht tragen wir Schweizer daran Schuld, dass in den Vereinigten Staaten der Öffentliche Verkehr heute noch weniger ausgebaut ist als das Hooters-Filialennetzt im Iran. Ganz einfach aus dem Grund, weil unsere Autos zu gut sind und jeder eines fahren möchte. Am liebsten den ganzen Tag über.

Jean-Luc Godard (1930) ist Regisseur und Liebling der Intellektuellen. Seine Filme sind so kompliziert, dass sie jeweils nur die fünf klügsten Menschen der Welt überhaupt verstehen können. Es gibt Quantenphysiker, die behaupten, dass sie nach dem Anschauen eines Godard-Films jeweils zurück ins Labor eilen um geistig wieder ein wenig runterfahren und einfach nur über Kosmische Hintergrundstrahlung, Hochtemperatursupraleiter oder die Gravitation nachzudenken.

Aber wir setzen nicht nur beim Film die Messlatte extrem hoch an, sondern auch in der Musik. Bruno Spoerri (1935) gehört zu den einflussreichsten Aushängeschildern des Jazz und der elektronischen Musik. Einem breiteren Publikum wurde er nach seinem Rechtsstreit gegen Jay-Z bekannt. Der Rapper hat Spoerris Song «On the Way» geklaut und aus dem Diebesgut seinen Track «Versus» gebastelt. Ohne zu deklarieren, von wem das Original stammt, notabene. Spoerri liess das nicht auf sich sitzen und hat Jay-Z erklärt, dass er zwar respektiere, dass er ein Gangster ist und Gangster von berufswegen her Klauen müssen, aber er in diesem Fall ganz klar eine Grenze überschritten habe. Der knallharte Jay-Z hat wie ein kleines Schulmädchen angefangen zu weinen und Spoerri schluchzend erklärt, dass sein Sound ohne Schweizer Inputs immer scheisse klingen würde und um Verzeihung gewinselt. Spoerri hat die Entschuldigung angenommen und ihm im Gegenzug sogar versprochen, in naher Zukunft keine Affäre mit seiner Ehefrau Beyoncé zu starten.

Der Aargauer Daniel Humm (1976) ist der beste Koch der Vereinigten Staaten. Zugegeben, das ist ungefähr so schwierig, wie als Inder der beste Cricketspieler von Grönland zu werden, schliesslich legen Amerikaner normalerweise auf gutes Essen weniger Wert als Carla Bruni auf einen vernünftigen Umgang mit Botox. Aber Daniel Humms Restaurant Eleven Madison Park liegt an bester Adresse in New York. Dort kommen durchaus auch Leute vorbei, die nicht zum Frühstück ein Hamburger-Müsli, zum Mittagessen einen doppelten Dreifach-Hamburger, zum Nachttisch ein Hamburger-Frappé und zum Abendessen einen Hamburger-Salat verputzen möchten.
Nein, in New York sind die Leute kulinarisch wesentlich abenteuerlustiger. Hier darf es durchaus auch mal ein Steak sein. Apropos Amerika.

Ex-Präsident Barack Obama hat Schweizer Wurzeln. Seinem Teint nach zu schliessen liegen diese wahrscheinlich in einem unserer schönen Südtäler oder er stammt aus einer alten Skilehrerfamilie aus der Innerschweiz oder dem Wallis. Meine Recherche habe ich da noch nicht ganz abgeschlossen.

Die Schweiz steht für Idylle, funktionierende Institutionen und Souveränität des Volkes. Wann immer auf der Welt staatsähnliche Gebilde entstehen, die einigermassen etwas taugen, vergleicht man diese gerne mit der Schweiz. Den Libanon nannte man an seinen besten Tagen die Schweiz des Nahen Ostens und Uruguay gilt heute noch als die Schweiz Südamerikas. Und die richtige Schweiz? Ja, die Schweiz ist die Schweiz Europas. Oder ganz einfach das Original. Die unbefleckte platonische Idee von Paradies, Rechtsstaat und Demokratie.

Die Schweiz ist das beste Land der Welt. Das kann man ohne falsche Bescheidenheit behaupten. Dabei war unsere Ausgangslage alles andere als rosig. Ohne nennenswerte Schätze in unserem Boden wurden wir zu einem der reichsten Länder des Planeten. Ohne grosse Kriege zu gewinnen, haben wir uns in der ganzen Welt Respekt verschafft. Ohne eine nur schon im Ansatz ernstzunehmende Fussball-Nationalmannschaft zu unterhalten, liegt die Hauptstadt des Weltfussballs in unserem Land. Das macht ungefähr gleich viel Sinn, wie wenn der Hauptsitz des Internationalen Skiverbands in Burundi liegen würde. Das tut er aber nicht. Warum? Weil dieser ebenfalls in der Schweiz liegt – und zwar in Thun.

Jetzt kann man behaupten, dass die Schweiz eben landschaftlich wunderschön ist und somit viele Touristen anlockt, die hier viel Geld liegen lassen. Das stimmt ja auch. Aber ist der Grand Canyon nicht auch spektakulär? Oder die Wüste Gobi? Oder der Nordpol? Natürlich, alles visuell sehr ansprechend. Trotzdem wurde die Schweiz zum Mekka für jeden anständigen Touristen auf dieser Welt. Oder kennst du jemanden, der gerade kürzlich in Arizona, in China oder in Nordpolarmeer unterwegs war? Eben. Die Schweiz steht aber auf der Todo-Liste von jedem Weltbürger, der einen Koffer, eine transportierbare Zahnbürste und einen Reisepass besitzt. Das liegt daran, dass wir unsere verdammt schöne Landschaft auch verdammt gut verkaufen. Ohne Eiger, Mönch und Jungfrau fotografiert zu haben, muss man seinen Heimflug schon gar nicht antreten.
Es ist ein Naturgesetz, dass Erfolg auch Neider auf den Plan ruft. Der Schauspielerin Natalie Portman sagt man ja auch nach, dass sie ein krankhafter und karrieregeiler Workaholic sei. Das ist ja logisch. Muss sie doch. Schauspieler, die keine Ambitionen an den Tag legen, landen früher oder später im Dschungelcamp, arbeiten als Richterinnen in einer Fernsehshow oder zelebrieren in Werbespots Menstruationsprodukte. Choose Life. Wer keine Kritik erträgt, darf nicht über den Durchschnitt herauswachsen. Denn oben bläst einem ein kühler Wind um die Ohren. Die Schweiz weiss das. Dieser eisige Wind der Kritik flüstert ihr immer und immer wieder folgende Botschaften zu:

  • Du wurdest im Zweiten Weltkrieg von Hitler verschont, weil deine Grossbanken sein Raubgold gewaschen haben und Nazi-Deutschland somit kriegswichtige Rohstoffe kaufen konnte.
  • Du bist nur reich geworden, weil du das Geld von zwielichtigen Persönlichkeiten wie Jean-Claude Duvalier, Ferdinand Marcos oder Uli Hoeness verwaltet. Diese Potentaten haben das Geld ihrem Volk gestohlen und ihre Heimatländer Haiti, die Philippinen und Deutschland verarmt zurückgelassen.
  • Du duldest die Masseneinwanderung von Fremden nur, wenn sie in Form von zahlungskräftigen Touristen mit Rückflugticket auftaucht.

Vielleicht enthalten diese Unterstellungen sogar ein Körnchen Wahrheit. Das Problem liegt aber darin, dass wenn man sich nur auf ein Körnchen fokussiert, einem die ganze Schönheit des prosperierenden Kornfeldes rundherum entgeht und man leicht vergisst, dieses zu bestellen und die Ernte ins Trockene zu bringen.
Gerne kritisiert werden auch unsere Volksabstimmungen. 2009 haben wir zum Beispiel beschlossen, dass man keine Minarette an Moscheen bauen darf. Der Grund: Für viele Moslems ist das Minarett ein Herrschaftsymbol. Das heisst, alles, was man von einem Minarett aus sieht, wird zu islamischem Untertanengebiet erklärt. Da hatten wir christlich geprägten Schweizer komischerweise etwas dagegen. Freiwillig Minarette in unser Land zu lassen, das kam uns vor, wie aus falscher Toleranz einen Pyromanen im Feuerwerksladen arbeiten zu lassen. Die Linken haben während dem Abstimmungskampf immer wieder betont, dass die Mehrheit der Muslime friedlich sei und diese ganze Abstimmung ein Witz sei. Das fand ich damals sehr inkonsequent. Die meisten Kernkraftwerke verursachen ja auch keine Probleme, trotzdem möchten die Linken ausnahmslos alle abschaffen.

Wie dem auch sei. Die Schweizer aufgrund dieser Volksabstimmung als rechten Haufen zu betiteln, ist mehr als unfair. Die Religionsfreiheit wurde für Moslems durch das Minarettverbot nicht eingeschränkt . Wir würden bestimmt auch zu einem Adolf-Hitler-Denkmal-Bauverbot ja sagen, selbst wenn es der politischen Überzeugungen gewisser Vollidioten zuwiderläuft, die sich dann in ihrer von der Verfassung garantierten politischen Meinungsäusserung eingeschränkt sehen.
Jedenfalls dürfen unsere muslimischen Mitbürger ihrem Glauben nachgehen wie alle anderen Glaubensgemeinschaften in der Schweiz auch. Und von denen gibt es einige.
Die Schweiz belegt im Bereich Glaubensvielfalt weltweit eine Spitzenposition.

Laut Sektenfachmann Hugo Stamm gibt es in der Schweiz über 250 000 Menschen, die man als Anhänger einer spirituellen Vereinigung bezeichnen kann. Dazu gehören über 13 000 Heiler und über 1000 verschiedene Sekten. Jeder glaubt an irgendwas.
Bei uns gibt es Frutarier, Teufelsanbeter, Zeugen Jehowas, Zeugen des Christoph, Scientologen, Kreditgeber, Protestanten, Römische Katholiken, Christlich Orthodoxe, Muslime, Juden, Buddhisten, Jungsozialisten, Sozialisten, Altsozialisten, Rastafaris, Pastafaris, Staatsgläubige, Anhänger der Freikirche, Anhänger der Freikörperkultur, Veganer, Klimawandelgläubige, Klimawandelkritiker und je länger je mehr Esoteriker. Wir wohnen alle zusammen unter dem Dach der Religionsfreiheit. In der Schweiz betet man in Moscheen, Fussballstadien, Synagogen, Kirchen, Börsen oder auf der Strasse.
Nebenbei tragen unsere schönsten Berge Namen wie Mönch, Dom oder Monte Salvatore. Was noch fehlt ist die Mohammed Spitze, der Piz Ron Hubbard, das Dalai Lama Horn oder der Satansgrat. Die werden im Sinne der Konsensfindung und der Anpassung an demagogische Entwicklungen bestimmt noch kommen. Dazu kommt noch, dass Gottfried Keller einer unserer bekanntesten Schriftsteller, Fribourg Gottéron einer unserer besten Eishockey Clubs und der Gotthard Strassentunnel eines unserer beeindruckendsten Bauwerke ist. Wie du siehst, in der Schweiz findet man Gott überall und in allen Formen. Man muss nur gut genug hinschauen.

Ob mit oder ohne Gottes Hilfe ist die Schweiz gross geworden – obwohl sie flächenmässig klein ist. Wir halten uns noch das Fürstentum Liechtenstein als kleine Schwester. Wenn wir über den Rhein ins Ländle schauen, überkommen uns Schweizer väterliche Gefühle. Am liebsten würden wir das süsse kleine Fürstentum streicheln und knuddeln und uns dabei so richtig gross vorkommen. Aber eben. Der Blick in die anderen Nachbarländer zeigt uns wieder, dass wir bestimmt nicht an einer Überdosis Boden sterben werden.
Es ist allseits bekannt, dass wenn man die bergige Schweiz plattwalzen würde, ebenfalls ein Grossreich entstehen würde. Aber das will ja niemand. Nein, wir arrangieren uns lieber mit unseren bescheidenen Platzverhältnissen und üben uns in Sparsamkeit. Die Sparsamkeit gehört ohenhin zu unseren Lieblingstugenden und sie äussert sich in unserem täglichen Verhalten. Unsere Kinder lernen als erstes Tier das Sparschwein kennen. Logischerweise sind wir auch nicht so emotional wie die Italiener. Schliesslich laufen auch unsere Gefühle nur auf Sparflamme und nicht auf Flammenwerfermodus, wie bei unseren südlichen Nachbarn. Dafür sind wir aber langfristig unterwegs und nicht noch in der gleichen Nacht vollkommen ausgebrannt. Um Wasser zu sparen, stellen wir Schweizer beim Einseifen die Dusche ab – obwohl wir im Wasserschloss Europas wohnen. Das ist ungefähr so, wie wenn die Tuareg mit Sand haushälterisch umgehen würden oder Bruce Darnell mit seinen Macken.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, möchte ich mit diesem Blog ein möglichst facettenreiches Portrait der Schweiz malen. Dazu gehören ihre glorreiche Geschichte, ihre unvergleichlichen politischen Errungenschaften, ihre spektakulären wirtschaftlichen Erfolge, ihre unvergesslichen sportlichen Heldentaten, ihre richtungsweisenden kulturellen Höhenflüge und alles, was noch dazwischen passt. Und ja, dieser Blog ist tendenziös. Schliesslich bin ich ja selber Schweizer, was hast du anderes erwartet? Willkommen zur Tour de Suisse.

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